Wenn dich jemand triggert

Weite Hügellandschaft im Morgenlicht

Jeder von uns hat sogenannte Triggerpunkte. Sie sind uns meist nicht bewusst. Wir können sie aber aufspüren. Wenn wir uns über Verhaltensweisen oder Aussagen bestimmter Menschen ärgern oder uns dadurch verletzt fühlen, können wir hinterfragen, was genau es ist, das uns daran so negativ aufstößt und dadurch gewinnbringende Erkenntnisse über uns selbst erfahren.

Was ein Trigger ist

Ein Trigger ist ein Auslöser. Eine Bemerkung, ein Tonfall, eine bestimmte Art, sich zu verhalten – und plötzlich ist die eigene Reaktion viel stärker, als die Situation es erklären würde. Du ärgerst dich noch Stunden später, fühlst dich klein oder ungerecht behandelt, obwohl der andere vielleicht nur einen einzigen Satz gesagt hat.

Das ist kein Zeichen dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es ist ein Hinweis darauf, dass etwas in dir berührt wurde, das älter ist als dieser Moment.

Woher Trigger kommen

Viele unserer empfindlichsten Stellen sind in der Herkunftsfamilie entstanden. Dort haben wir gelernt, welche Gefühle willkommen waren und welche nicht, wie viel Raum wir einnehmen durften und was wir tun mussten, um dazuzugehören.

Wer als Kind erlebt hat, dass die eigenen Wünsche zurückstehen mussten, reagiert später oft besonders heftig auf Menschen, die sich genau das Gegenteil erlauben. Nicht, weil diese Menschen etwas Schlimmes tun, sondern weil sie etwas leben, das man sich selbst einmal verboten hat.

Manchmal reicht die Spur noch weiter zurück. Haltungen wie „Erst kommen die anderen, dann ich“ werden in Familien oft über Generationen weitergegeben, ohne dass jemand sie je ausgesprochen hätte. Wie sehr uns diese Prägungen bestimmen, beschreibe ich im Beitrag Glücklich werden durch das Verstehen des Familiensystems.

Ein Beispiel

Folgendes Beispiel soll dies verdeutlichen:

Lea ärgert sich über ihre Freundin, weil diese immer genau das tut, wozu sie gerade Lust hat. Auf die Frage, was genau Lea am Verhalten ihrer Freundin wütend macht, sagt sie: Sie ist egoistisch, selbstsüchtig und denkt nicht an meine Bedürfnisse.

Was kann ein Mensch, der diese Eigenschaften hat, besonders gut? – Er achtet auf seine Bedürfnisse und erfüllt sie. Er nimmt sich selbst wichtig.

Wie ist das bei dir, Lea? Erlaubst du dir, dich selbst und deine Bedürfnisse an erste Stelle zu stellen?

Leas Antwort: Nein, das erlaube ich mir nicht.

Sie erkennt, dass sie sich selbst noch nicht genügend wichtig ist und sie noch nicht ihre Bedürfnisse an erste Stelle setzen kann. Diese Eigenschaften in ihr Leben zu integrieren, stellt eine wichtige Aufgabe für sie dar, derer sie sich nun annehmen kann.

Was hinter dem Ärger steckt

Das Beispiel zeigt etwas, das sich oft wiederholt: Was uns an anderen am meisten aufregt, ist nicht selten eine Eigenschaft, die wir uns selbst nicht zugestehen. Der Ärger zeigt dann weniger auf einen Fehler des anderen als auf eine Grenze in uns.

Das heißt nicht, dass jedes Verhalten in Ordnung ist, nur weil es dich triggert. Wenn dich jemand immer wieder verletzt oder übergeht, darfst du dich abgrenzen. Beides kann gleichzeitig stimmen: Das Verhalten des anderen ist nicht in Ordnung, und deine heftige Reaktion erzählt trotzdem etwas über dich.

Was erlaube ich mir nicht, das der andere sich ganz selbstverständlich nimmt?

So kommst du deinen Triggern auf die Spur

Wenn du das nächste Mal merkst, dass dich jemand triggert, können dir diese Schritte helfen:

  1. Halte kurz inne, bevor du reagierst. Atme durch und nimm wahr, dass dein Ärger größer ist als der Anlass.
  2. Beschreibe so genau wie möglich, was dich stört. Nicht „Er ist unmöglich“, sondern: Was genau tut oder sagt er?
  3. Frage dich, was ein Mensch mit dieser Eigenschaft besonders gut kann.
  4. Frage dich, ob du dir genau das selbst erlaubst.
  5. Schau, ob dir das Gefühl bekannt vorkommt. Wann hast du dich schon einmal so gefühlt, vielleicht als Kind?

Du musst nicht jede Frage sofort beantworten können. Oft zeigt sich die Antwort erst nach ein paar Tagen.

Wenn ein Trigger immer wiederkommt

Manche Trigger lassen sich mit diesen Fragen gut verstehen. Andere sitzen tiefer und tauchen immer wieder auf, besonders in der eigenen Familie: bei der Mutter, beim Vater, bei den Geschwistern.

Dann kann es hilfreich sein, genauer auf die Herkunftsfamilie zu schauen. In einer Einzelaufstellung mit Figuren kann sichtbar werden, welchen Platz du in deinem Familiensystem einnimmst und welche Haltungen du vielleicht übernommen hast. Ob das zu deinem Anliegen passt, können wir in einem unverbindlichen Vorgespräch am Telefon oder über Zoom klären.

Wo in deinem Leben gibt es Menschen, die dich immer wieder ärgern und deinen Blutdruck ansteigen lassen? Vielleicht kannst du durch sie neue Erkenntnisse über dich gewinnen?

Weitere Gedanken

Alle Beiträge

Der erste Schritt

Wenn dieser Beitrag etwas in Ihnen berührt hat, sprechen wir gerne unverbindlich darüber, ob eine Aufstellung Ihnen weiterhelfen kann.