Angst als Helfer

Lange, nebelige Straße durch bewaldetes Gebiet

Angst aktiviert den Überlebensmodus unseres Körpers, was zu einer Überproduktion von Stresshormonen (Cortisol) führt. Dies kann das Immunsystem schwächen und Heilungsprozesse verlangsamen.

Dabei ist Angst zunächst nichts Falsches. Sie gehört zu den ältesten Reaktionen, die wir Menschen haben. Sie macht uns wach und vorsichtig, wenn Gefahr droht, und sie hat uns über lange Zeit geschützt.

Schwierig wird es, wenn der Alarm bleibt, obwohl keine Gefahr mehr da ist. Oder wenn er bei Dingen anschlägt, die wir uns selbst nicht erklären können. Manche Menschen kennen eine Unruhe, die immer dann auftaucht, wenn es ihnen eigentlich gut geht. Andere fürchten sich vor einem Verlust, für den es in ihrem Leben keinen Anlass gibt.

Gedanken, Körper und das Unbewusste

Unser Unterbewusstsein kontrolliert die biochemischen Prozesse in unserem Körper.

Indem wir unsere Gedankenmuster bewusst verändern, können wir das Unterbewusstsein neu programmieren und so Veränderung anstoßen.

Das klingt einfacher, als es ist. Gedankenmuster lassen sich selten durch einen Entschluss verändern. Wer sich vornimmt, keine Angst mehr zu haben, merkt meist schnell, dass die Angst sich davon wenig beeindrucken lässt.

Veränderung beginnt eher damit, die Angst genauer anzuschauen, statt sie wegzudrücken. Wann tritt sie auf? Wie fühlt sie sich an? Und seit wann ist sie eigentlich da?

Wenn die Angst älter ist als wir

Manche Ängste lassen sich gut erklären. Sie gehen auf ein Erlebnis zurück, an das wir uns erinnern, und sie passen zu dem, was uns geschehen ist. Andere wollen nicht recht zu unserem Leben passen. Sie sind einfach da, manchmal schon seit der Kindheit.

Durch Familienaufstellungen können wir erfahren, welche Auslöser sich hinter unserer Angst verbergen. Es wird uns bewusst, dass diese teils aus unseren eigenen Erfahrungen (oder Gedanken) resultieren, teilweise aber bereits eine oder mehrere Generationen zurückliegen und mit einem leidvollen Schicksal unserer Vorfahren zusammenhängen.

In vielen Familien gibt es Ereignisse, die eine Generation nicht verarbeiten konnte: einen Krieg, eine Flucht, einen frühen Tod, ein verlorenes Kind. Was damals nicht betrauert oder ausgesprochen werden durfte, kann in den Nachkommen als Gefühl weiterwirken, auch wenn sie die Geschichte dahinter gar nicht kennen. Warum das so ist, beschreibe ich ausführlicher im Beitrag über Muster, die sich über Generationen wiederholen.

Wie eine Aufstellung den Blick verändern kann

In meiner Arbeit beginnt dieser Blick mit einem Genogramm, das wir gemeinsam erstellen. Darin tragen wir ein, was in Ihrer Familie geschehen ist, über mehrere Generationen hinweg. Schon dabei fällt manchmal auf, dass eine Angst in derselben Lebensphase auftaucht, in der einem Vorfahren etwas Einschneidendes widerfahren ist.

In der Einzelaufstellung, die in meiner Holzhütte in Wennigsen am Deister stattfindet, stellen Sie dann mit Figuren auf, wie Sie die Beziehungen in Ihrer Familie wahrnehmen. Auch die Angst selbst kann dabei als eigenes Element einen Platz bekommen. So wird sichtbar, zu wem sie gehört und wohin sie schaut.

Durch diese Informationen können wir unsere Angst neu einordnen und die Kontrolle darüber gewinnen. Oft verliert die Angst dann deutlich an Kraft.

Hierbei setzt der Wendepunkt ein. Durch diese veränderte Wahrnehmung erkennen wir, dass das Annehmen unserer Angst uns entlasten kann. Dies ermöglicht uns, alte Gedankenmuster und folglich unser Unterbewusstsein zu verändern.

Annehmen heißt nicht aushalten müssen

Die Angst anzunehmen bedeutet nicht, sie gut zu finden oder sich ihr auszuliefern. Es bedeutet, aufzuhören, gegen sie zu kämpfen, und stattdessen zu fragen, wovon sie erzählt. Eine Angst, die gesehen wird, muss oft nicht mehr so laut sein.

Ein paar Fragen können beim Hinschauen helfen:

  • Seit wann kenne ich diese Angst, und gab es damals einen Anlass?
  • Passt ihre Stärke zu dem, was gerade geschieht?
  • Gibt es in meiner Familie jemanden, der Ähnliches erlebt oder gefürchtet hat?
  • Was würde ich tun, wenn die Angst etwas leiser wäre?

Die Antworten müssen nicht sofort kommen. Manchmal genügt es, die Fragen eine Weile mit sich zu tragen.

Wo die Grenze liegt

Eine Familienaufstellung ist eine Methode der Beratung und Begleitung. Sie ersetzt weder eine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose noch eine Behandlung. Wenn Angst den Alltag stark einschränkt, wenn Panikattacken auftreten oder die Angst schon lange anhält, wenden Sie sich bitte an eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis.

Manche Menschen nutzen beides nebeneinander. Eine Aufstellung kann eine laufende Therapie um eine andere Perspektive ergänzen. Mehr dazu finden Sie in den häufigen Fragen zur Familienaufstellung.

Ein Wegweiser

Wir tragen die Kraft zur Selbstheilung in uns. Angst ist nicht unser Feind, sondern wir können sie als Wegweiser nutzen, der uns zu unserem inneren Potential führt.

Habe den Mut, dich deiner Angst zu stellen.

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Der erste Schritt

Wenn dieser Beitrag etwas in Ihnen berührt hat, sprechen wir gerne unverbindlich darüber, ob eine Aufstellung Ihnen weiterhelfen kann.